Dienstag, 4. Mai 2010 um 18:38 Uhr
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Ab in den Süden
Am Samstag war bekanntlich erster Mai, was auch hier ein Feiertag ist und sogar mit einigen friedlichen Demonstrationsmärschen zelebriert wurde. Und wie das mit auf Wochenenden fallenden Feiertagen hier so ist, sie werden montags nachgeholt.
Der Hafen von Nsanje
Wir haben das verlängerte Wochenende genutzt, um uns ein Bild von einem Mythos zu verschaffen, der hier schon lange Gesprächsthema ist. Nämlich der geplante Inlandshafen in Nsanje, der südlichsten Stadt Malawis. Bingu, der amtierende Präsident, wirbt auf riesigen Plakaten für dessen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Landes und er hat damit auch nicht ganz unrecht. Denn in Malawi, das selber keinen Zugang zum Meer hat, ist alles äußerst teuer. Das trifft natürlich besonders Importgüter. Aber da sich Malawi in keinster Weise selbst versorgen kann ist es vom teuren Import abhängig, was bei den langen Transportwegen auch die Preise für alltägliche Dinge in die Höhe treibt. So sind die Lebenshaltungskosten hier beispielsweise zwei- bis dreimal höher, als in den Nachbarländern Tansania und Mosambik.
Der malawische Zugang zum Meer
Die Idee vom Nsanje-Hafen ist nun, durch den Ausbau des Shire-Flusses für die Container-Schifffahrt den Zugang zum Sambesi-Fluss zu schaffen, der wiederum bei Mosambik ins Meer führt. Doch schon bei der Fahrt dorthin mit dem Minibus wurde klar: So schnell wird das nichts.
Die Straße in den Süden verdient nicht einmal die Bezeichnung Sandpiste. Vielleicht in ein paar tausend Jahren, solange bleibt es eine äußerst ungemütliche Steinpiste, die das Fahren nur im Schneckentempo erlaubt. Die mit EU-Geldern finanzierte und von der portugiesischen Baufirma Mota-Engil zu errichtende Asphaltstraße sollte eigentlich nach zweijähriger Bauzeit im November letzten Jahres fertiggestellt werden. De facto waren lediglich mehrere Überbrückungen gegossen worden, die aber bisher sogar noch umfahren werden müssen.
Die große Baustelle
Auch der Hafen ist noch nicht als solcher erkenntlich, lediglich eine Betonpier befindet sich im Bau. Daher waren wir auch sehr überrascht, als wir von einem Polizisten darüber unterrichtet wurden, dass wir uns auf verbotenem Gelände aufhielten, wo wir doch nicht mal sicher waren, überhaupt den Hafen gefunden zu haben. Letztlich schenkte er unseren Argumenten Glauben, dass wir von einer unumzäunten Seite her gekommen waren und nichts von dem Verbot wussten. Er sah von einer Festnahme ab und half uns stattdessen sogar den Besitzer eines kleinen Motorbootes zu finden, der uns für ein wenig Geld den Shire hinauf fuhr, wo wir von einer aufgebrachten Menschenmasse im Dorf willkommen geheißen und bis an die Straße zum Minibus gebracht wurden.
Eine Zugfahrt die ist lustig...
Eigentlich hatten wir auch mal vor, mit dem einzigen verkehrenden Zug in den Süden zu fahren, der zwar aufgrund einer vor zwölf Jahren eingestürzten Brücke nur die halbe Strecke zurücklegt, dafür aber durch sehr idyllische Landschaft tuckert. Zudem ist er billiger als der Minibus. Allerdings waren wir nicht die einzigen mit dieser Idee. Auch der Rest der Welt war fast vollzählig versammelt, um sich am kleinen Bahnhof in Limbe ein Ticket für den nur einmal die Woche abfahrenden Zug zu besorgen. Was uns auch die Hoffnung zu Nichte machte, ein weiteres Klischee zu bedienen und auf dem Dach eines Zuges sitzend dem afrikanischen Sonnenuntergang entgegen zu fahren.
Was vorher geschah
Unter der Woche hatte ich erfreulicherweise recht viel zu tun. Für BACOMA musste ich zweimal nach Limbe fahren, wo man bei einer Chinesin Fotos entwickeln lassen kann. Und zwar Fotos, die ich bei den beiden Schulausflügen zum Flughafen und in den Nationalpark geschossen hatte, und die jetzt von Eltern nachbestellt werden konnten. Die mussten dann auch noch entsprechend verteilt und das dazu gehörige Geld eingesammelt werden.
Löhne werden nicht ausgezahlt
Allerdings tut sich bei der Schule ein weiterer Missstand auf. Unser Chef und BACOMAS Generalsekretär Simon war für vorher nicht näher bestimmte Zeit privat in Sambia. Zuvor hatte er festgelegt, dass die Gehaltsschecks für Lehrer und BACOMA-Mitarbeiter nur von ihm unterschrieben werden dürfen. Jetzt warteten aber fünfzehn Leute seit drei Wochen auf Simons Rückkehr und die damit verbundene termingerechte Zustellung ihrer Löhne. Dabei reicht bei Vielen das Geld im Monat gerade so aus, um mehr oder weniger über die Runden zu kommen. Mittlerweile mussten wir schon einspringen, um dem ein oder anderen umgerechnet ein paar Euros zu leihen, damit die – in einem Fall sogar achtköpfige – Familie genug zu essen bekommen kann.
Umso unbegreiflicher war es dann, dass die erste Amtshandlung unseres nach vier Wochen Urlaub zurückgekehrten Bosses die Zurückhaltung der Löhne für die Lehrer war. Und zwar solange, bis alle Schulgebühren eingetrieben wurden. Es sei schließlich Schuld der Lehrer, dass die Eltern nicht fristgerecht bezahlten. Außerdem wurde der Reinigungsfrau der Lohn aufgrund zweier krankheitsbedingter Fehltage um 20% gekürzt. Sie verdiente bisher im Monat 20€ und hat zwei kleine Kinder zu Hause...
Vorbereitungen für die Ausstellung
Erfreulicher ist aber die Arbeit bei Jacaranda: Es gibt von Tag zu Tag mehr zu tun und abgesehen von den regelmäßigen Meetings zur Organisation des Musikfestivals stand uns am Freitag auch noch eine kreativen Aufgabe bevor. Bis zum Benefizkonzert im Juni wird es nämlich im French Cultural Center eine Ausstellung zu Jacaranda geben, mit vom hauseigenen Künstler und von Kindern gemalten Bildern, vielen Fotos und Texten. Dazu musste jede Menge ausgeschnitten, geklebt, bemalt, beschrieben, aufgehängt und dekoriert werden. Alle Bastelmaterialien stammen dabei aus Spenden aus England und Amerika. Heute konnten wir die Arbeiten abschließen, ab morgen kann jeder unser Meisterwerk am wahrscheinlich populärsten Veranstaltungsort in Blantyre bewundern!
http://johannes-in-malawi.de/2010/05/04/ab-in-den-sueden/
Informationen
| Orte | Bangula Blantyre Nsanje |
| Veröffentlicht | Dienstag, 4. Mai 2010 um 18:38 Uhr |
| Kategorien | Büroarbeit, Reiseberichte |
| Stichworte | BACOMA, Jacaranda, Löhne, Music Festival, Nsanje Port |
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