Sonntag, 29. November 2009 um 20:31 Uhr
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Advent, Advent, kein Lichtlein brennt. Oder: Die anhaltende Dieselknappheit
Zuerst einmal allen einen schönen ersten Advent
Wir haben davon eher zufällig erfahren. Weihnachtsstimmung ist hier nicht. Wenn man von Shoprite absieht, wo die Regale voller Weihnachtsgeschenk-Kauf-mich-Puppen stehen und die Verkäufer kitschige rote Zipfelmützen tragen, ist hier eigentlich so gar nicht Weihnachten. Kein Schnee, stattdessen 30°C im Schatten. Nirgendwo Tannen, eher Palmen und Papaya-Bäume. Es ist nicht die Zeit der Plätzchen, es ist Saison für gegrillte Mini-Heuschrecken.
Aber das nur am Rande. Viel akuter als das bevorstehende Fest ist nämlich die anhaltende Dieselknappheit. Die malawische Regierung bemüht sich angeblich ernsthaft, alle ausstehenden Rechnungen zu begleichen, damit Malawi wieder in gewohntem Umfang Dieselkraftstoff kaufen darf. Doch da scheint sich momentan noch nicht allzu viel zu tun. Die drei in Malawi vertretenen Tankstellenketten BP, Total und Mobil haben sich in den größeren Städten jeweils ein bis zwei Filialen ausgesucht, die ab und an mit dem knappen Gut beliefert werden. Alle anderen Tankstellen führen nur noch Benzin. Und da so gut wie jeder Toyota ein Diesel-Fahrzeug ist, ist die Lage derzeit für die Autobesitzer eher suboptimal. Die Straßen werden immer leerer, die Schlangen vor den Tankstellen dafür täglich einen halben Kilometer länger. Es fahren immer weniger Minibusse und die großen Busunternehmen, die Reisebusse für den Fernverkehr anbieten, haben 70% der Fahrten gestrichen. Die wenigen Taxen, die noch fahren, haben ihre Preise um einhundert bis zweihundert Prozent erhöht. Denn obwohl die Tankstellen den Dieselpreis nicht anheben dürfen, ist es immer teurer ranzukommen. Wer sich nicht leisten kann, bereits um vier Uhr morgens an einer Tankstellen-Schlange zu warten, um wenigstens den Hauch einer Chance zu erhalten, bis nachmittags um fünf ein paar Liter Diesel zu ergattern, der muss sich an den Schwarzmarkt wenden. Mittlerweile wird nämlich illegal Diesel aus den Nachbarländern importiert. Sehr beliebt unter Tanklastfahrern ist auch, nachts Teile der Ladung zu überteuerten Preisen an Privatabnehmer zu verticken.
Uns hat die Dieselknappheit aber nicht davon abhalten können, am Freitagabend in die malawische Hauptstadt Lilongwe zu fahren, um wie berichtet zwei Freiwillige zu besuchen, die ihre Geburtstage feierten. Da wir am Sonntag bei unserem Chef zu dessen Geburtstagsparty eingeladen waren, mussten wir uns allerdings bereits am Samstagnachmittag wieder auf den Rückweg machen, was sich leider einfacher anhört, als es tatsächlich war. Wir waren zwar wie geplant um kurz nach ein Uhr am Busdepot, doch die Busse fahren hier nicht zu einer bestimmten Uhrzeit ab, sondern erst dann, wenn der Bus richtig voll ist. Und so fuhren wir erst gegen vier Uhr los, kamen nachts um zehn Uhr an und wurden dann mit den oben angesprochenen, überteuerten Taxipreisen konfrontiert. Wir beschlossen zu laufen und wurden bereits nach 200 Metern von einem netten indischen Pärchen aufgegabelt und auf der Ladefläche ihres Pick-Ups nach Hause gebracht.
http://johannes-in-malawi.de/2009/11/29/advent-advent-kein-lichtlein-brennt-oder-die-anhaltende-dieselknappheit/
Informationen
| Orte | Blantyre Lilongwe |
| Veröffentlicht | Sonntag, 29. November 2009 um 20:31 Uhr |
| Kategorien | Stadtgespräche |
| Stichworte | Advent, Dieselknappheit, Schwarzmarkt |
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