Montag, 23. November 2009 um 14:11 Uhr

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Der Tag an dem Joyce Meyer kam

Das ganze letzte Wochenende über herrschte Ausnahmezustand hier in Blantyre. Joyce Meyer – eine uns bis dato völlig unbekannte, hier aber total gehypte Fernsehpredigern aus Amerika – hat Malawi besucht. Neben dem Stadion wurde ein riesiges Festzelt aufgebaut, sogar schon Anfang letzter Woche. In den Zeitungen und im Büro gab es kaum ein anderes Thema und selbst die riesigen, mehrere Monate alten Wahlplakate vom amtierenden Präsidenten Bingu waren durch auffallend dezente Plakate auf Englisch und Chichewa ersetzt worden, die ein deutlich nachbearbeitetes, trotzdem unmodisches Gesicht zeigten, das vermutlich zu Frau Meyer gehörte. Irgendwann gab es in der ganzen Stadt keine unplakatierte Laterne mehr (soviele gibt es allerdings auch nicht), sodass auch uns irgendwann aufgefallen ist, dass Joyce Meyer ganz schön populär sein musste. Auf Nachfrage haben wir immer die gleiche Gegenfrage bekommen, aus einem Mund, der uns nicht zu glauben schien: „Wie, ihr kennt Joyce Meyer nicht?“.

Naja, Joyce Meyer hat drei Tage lang gepredigt, im Zelt und im überfüllten Stadion. Und das ist gar nicht mal so klein! Am Freitag hatten alle, wirklich alle, Mitarbeiter von BACOMA frei, um Joyce Meyer zu besuchen. Und der Masse an Menschen nach zu urteilen, die sich bei strömendem Regen in und ums Zelt drängten, war BACOMA nicht der einzige Arbeitgeber, der so kulant war.

Vorher war Joyce Meyer auch noch in dem von ihr mitfinanzierten Beit Cure Hospital, in dem mittlerweile zwei Freiwillige unserer Entsendeorganisation arbeiten. Sie hat dort Essenspakete an Mitarbeiter und Patienten verteilt und natürlich kistenweise Ausgaben ihrer Bücher verschenkt.

Heute fängt die Schule wieder an. Oder auch nicht. Oder vielleicht doch. Wissen wir nicht so genau, weiß eigentlich keiner wirklich. Das Problem ist folgendes: Die Regierung möchte die privaten Schulen stärker an die Leine nehmen. Von 77 getesteten Schulen sind vor zwei Wochen 55 aus unterschiedlichen Gründen geschlossen worden – teilweise, weil nicht ausreichend qualifizierte Lehrer eingestellt wurden, teilweise weil die Klassen zu groß, die Räume zu klein oder das Toilettenpapier zu wenig waren. Mittlerweile habe sich die Zahl der geschlossenen Schulen laut Schulleitung sogar auf über 200 erhöht. Daher fürchtet auch BACOMA den Besuch des Schulministeriums. Dennoch wollen sie unbedingt heute die Schule zum neuen Schuljahr öffnen, was die Regierung ausdrücklich verboten hat (warum auch immer). Unser Chef ist sogar extra zu anderen Schulen in der Umgebung gefahren, um zu schauen, was die so machen. Waren aber alle noch geschlossen. Warum unsere Schule unbedingt zwei Wochen früher öffnen möchte, hat den Grund, dass sie eine Klassenstufe weniger hat. Normalerweise gehen Kinder in Malawi acht Jahre zur Grundschule. BACOMA bringt seine Schüler aber in sieben Jahren durch, braucht dafür also jede Woche. Mal schauen, wie sich das ganze entwickelt. Schulleitung und Lehrer sind gegen die vorzeitige Öffnung, weil sie zu Recht Angst haben ihren Job zu verlieren sollte die Schule von der Regierung geschlossen werden.

© Johannes Schäfer - http://johannes-in-malawi.de

http://johannes-in-malawi.de/2009/11/23/der-tag-an-dem-joyce-meyer-kam/

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Informationen

Orte Blantyre
Veröffentlicht Montag, 23. November 2009 um 14:11 Uhr
Kategorien Schulgeschehen, Stadtgespräche
Stichworte Ausnahmezustand, Fernsehpredigerin, Joyce Meyer, Regierung, Schulanfang, Schulschließungen
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Zwei Kommentare zu diesem Bericht:

  1. Matthieu
    Matthieu vor 3 Jahren

    Das geschieht dir nur recht, du fauler Reisemensch ;) Ich drück natürlich die daumen dass eure schule NICHT geschlossen wird! ;)
    Ansonsten: ICH BIN IN COTONOU!! Genug Internet fürn blog!

  2. Hendrik
    Hendrik vor 3 Jahren

    Und was machst du dann, wenn deine Schule geschlossen wird? Dann hast du ja gar kein Alibi mehr um Urlaub zu machen ;-)


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