Samstag, 21. November 2009 um 18:15 Uhr
johannes schäfer weltwärts malawi afrika blog taxi im graben und teil eins der alltags serie
Taxi im Graben und Teil eins der Alltags-Serie
Die letzte Woche über haben wir tatsächlich gearbeitet! Morgens und teilweise nachmittags hatten wir Workshops mit den anderen Lehrern zu Themen wie Unterrichtsvorbereitung, Methodik und – sehr ausführlich – zu den Prinzipien von BACOMA: Hardworking, Resourcefulness, Productivity, Christian Values, Excellence und Teamwork. War auch alles sehr interessant, aber nicht sonderlich effektiv...
Mittlerweile musste ich auch erfahren, dass die Computer doch nicht so bald kommen. Die NGO hat‘s verplant und vergessen sie zu bestellen. Kommen also mit der nächsten Lieferung Mitte Januar (wer’s glaubt).
Und gestern Abend dann der Schock fürs Leben: Eigentlich wollten wir ja nur in eine kleine Bar in Blantyre fahren. Dummerweise ist der Taxifahrer mit seinem Taxi von der Straße abgekommen. Weiter ging‘s dafür auf seitlich angebrachten, zwanzig Zentimeter hohen Beton-Stoppern, die für den Unterboden des Fahrzeugs sicherlich unbequem waren, unsere Geschwindigkeit aber glücklicherweise stark reduzieren konnten. Denn in Blantyre sind parallel zur Hauptstraße anderthalb Meter tiefe, betonierte Rinnen angebracht, die in der Regenzeit für den nötigen Wasserabfluss sorgen. In einer solchen endete unsere Fahrt, das Taxi ist dort senkrecht seitlich stecken geblieben, also um 90° nach rechts gedreht. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits Windschutzscheibe und Kofferraumdeckel verabschiedet. Wir hatten eine große Portion Glück, denn Sicherheitsgurte gehören nicht zur Standardausrüstung eines solchen Taxis. Von leichten Prellungen und wirklich kleinen Schnittverletzungen abgesehen ist allerdings keinem von uns etwas geschehen. Trotzdem haben wir das Angebot des Taxifahrers, uns mit dem Auto seiner Mutter zurück nach Hause zu fahren, dankend abgelehnt und sind im mittlerweile strömenden Regen zurück gelaufen. Genug Abenteuer für heute...
In Gesprächen und E-Mails ist mir aufgefallen, dass ich über viele Dinge gar nicht berichtet habe. Situationen, die mittlerweile alltäglich und längst nicht mehr ungewöhnlich sind. Daher habe ich mir eine Serie von Berichten über alltägliche Dinge überlegt. Willkommen zum ersten Teil, mit dem Titel:
Transport
Einige Malawier haben ein natürlich ein eigenes Auto. Egal in welchem Zustand, das eigene Auto ist in jedem Fall ein Zeichen von Wohlstand. In den großen Städten wie Blantyre und Lilongwe gibt es auch durchaus große Verkehrsaufkommen bis hin zu Staus. Sehr beliebt sind drei- oder vierspurige Kreisel, die nur leider ihren Zweck nicht erfüllen und den Verkehr nur aufhalten. Die die Einordnung in die richtige Spur geschieht immer erst im Kreisel selbst, nicht vorher. Letztlich wird also nur eine, selten zwei Spuren effektiv genutzt.
Gefahren werden fast ausschließlich japanische Marken. Marktführer ist Toyota, mit einigem Abstand folgen Nissan, Mazda, Suzuki und Honda. Grund für die Dominanz dieser Marken ist die Einfachheit der Technik. Toyotas lassen sich auch mit improvisiertem Werkzeug leicht reparieren. Zudem sind die Autos günstig und Afrika wird aus Asien mit Gebrauchtwagen versorgt.
Als Modelle stehen besonders der Toyota Corolla als Limousine und der Toyota Hilux als allradgetriebener Geländewagen hoch im Kurs.
Deutsche Marken wie Volkwagen, Mercedes oder BMW sieht man nur sehr selten und wenn handelt es sich meistens um die Dienstwagen ranghoher Politiker.
Doch das Hauptverkehrsmittel in Malawi ist der Minibus. Für 50 Kwacha innerhalb von Blantyre (etwa 20 Cent) und für maximal 1.200 Kwacha (knapp fünf Euro) Überland kann man mit Minibussen jedes Ziel erreichen. Meistens halten sie dazu an Busdepots in den größeren Städten, die unter Verwaltung einer von den Minibusbesitzern gegründeten Association stehen. Aber auch unterwegs kann man jeden Minibus per Handzeichen zum Anhalten bewegen und einsteigen. Aussteigen erst recht. Und Plätze sind immer frei. Volle Minibusse gibt es in Malawi nicht. Selbst, wenn bereits 20 Passagiere im Fahrzeug sitzen, dicht gedrängt, fünf Leute pro Bank, selbst dann ist noch Platz für zwei weitere Mitfahrer. Auch Gepäck spielt dabei keine Rolle. Weder Menge noch Art der Ladung. Wir sind bereits mit Drei-Meter-langen Holzbrettern gefahren, mit 50kg-Säcken voll Mais, Bohnen oder größerem Gemüse, alten Fahrrädern, Wäschekörben voll Markteinkäufen, Hühnern und – unser persönliches Highlight – mit bockigen, an den Füßen zusammengebundenen Ziegen.
Aber trotz der Überfüllung, trotz teilweise unbeschreiblich schlechtem Zustand der Busse, trotz abgelaufener Versicherungen, trotz mangelndem Führerschein der Fahrer (in solchen Fällen flüchten die Minibusse immer vor den Polizeikontrollen) – kein Minibus fährt, wenn die Tür nicht zugeht. Ist die Tür blockiert, wird die Ladung neu verstaut. Sitzen Passagiere in der Tür, müssen sich alle umsetzen. Klemmt die Tür, wird solange gedrückt und gezogen, bis sie sich bewegt. Fällt die Tür ab, wird solange geschraubt und gehämmert, bis sie wieder von alleine hält.
Eine andere Art von Transport, aber im Grunde nur eine weitere Form von Minibussen sind Pick-Ups. Eigentlich sind es kleine LKWs, die genauso in das Nah- und Fernverkehrsnetz eingebunden sind, wie normale Minibusse. Man sitzt auf der rostigen Ladefläche, oder – mit etwas Glück – auf einem zur übrigen Ladung gehörenden Sack Papayas, zusammen mit 30 bis 40 anderen Passagieren. Noch überladener als Minibusse, denn Pick-Ups laden immer noch eine Kiste Fisch und noch einen Sack Mais und noch eine Ladung Reis auf, quälen sich diese LKWs dann die Straßen entlang, schleppen sich Bergpässe hoch oder rasen Buckelpisten entlang. Schon zweimal mussten wir beobachten, wie beim Anfahren einer der Mitfahrer von der Ladefläche gefallen ist. Dennoch ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Zuverlässigkeit man an jeder Umsteigestation eine Anschlussmöglichkeit hat. Klar, man muss oft ein bis zwei Stunden warten, und dann nochmal zwei bis der Minibus voll ist, oder der Pick-Up alles aufgeladen hat, aber dann fährt man auch los. Und dann kommt man auch an.
Eine weitere Möglichkeit zu Reisen sind die großen Buslinien, die von einer Handvoll Unternehmen zwischen den größeren und größten Städten betrieben werden. So kann man über Nacht vom sehr südlichen Blantyre in das recht weit im Norden gelegene Mzuzu fahren, ohne ein einziges Mal umzusteigen. Allerdings nicht ohne auszusteigen, denn diese Busse sind beliebte Transportmittel für Drogenschmuggler. Und das weiß auch die Polizei, die an den Kontrollen an den Distriktgrenzen alle aussteigen lässt, stichprobenartig die vorderen Rucksäcke betastet und ab und zu in einen der Reis- oder Getreidesäcke sticht. Es sind aber auch diese Busse, die wir bereits mit gebrochener Achse oder geplatztem Reifen am Straßenhand haben stehen sehen. Aber Taxis sind ja auch nicht so ungefährlich.
Die gibt es übrigens nur innerhalb weniger Städte und kosten pro Fahrt zwischen zwei und sechs Euro.
http://johannes-in-malawi.de/2009/11/21/taxi-im-graben-und-teil-eins-der-alltags-serie/
Informationen
| Orte | Blantyre |
| Veröffentlicht | Samstag, 21. November 2009 um 18:15 Uhr |
| Kategorien | Alltags-Serie, Stadtgespräche |
| Stichworte | Alltag, Pickup, Preise, Taxi, Toyota, Transportmittel, Unfall |















Nike vor 3 Jahren
Hallo =) Vielen Dank für die Alltagsbeschreibung, das klingt - obwohl's dir schon zur Gewohnheit geworden ist - wesentlich spannender als bei mir (schlafen, spät aufstehen, uni, schlafen) ^^ schreib mal wieder'ne Mail ;) ganz, ganz liebe Grüße, Nike
Hendrik vor 3 Jahren
:-D
AKVTA aus Marl vor 3 Jahren
Lieber Johannes,
herzliche Grüße aus Marl. Wir freuen uns darüber, dass Du die vergangene Woche überlebt hast; Ihr könnt von Glück sagen, dass bei dem Unfall niemand ernsthaft verletzt wurde.
Wenn man Deine Berichte so liest, drängt sich der Eindruck auf, dass ihr überwiegend darüber redet, was ihr tun könntet......
Grüße von
AKVTA aus Marl
P.S. Wir haben uns heute erstmals auch Deine tolle Bildergalerie angesehen.
bjs vor 3 Jahren
kein Kommentar