Mittwoch, 28. Oktober 2009 um 15:43 Uhr

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Mua Mission, Senga Bay, Krankenhaus, Arbeiten

Mittlerweile bin ich wieder in Blantyre und habe Internet. Eine Menge passiert in der Zwischenzeit, aber der Reihe nach:

Bevor wir vorletztes Wochenende nach Mua aufgebrochen sind kam mein Chef zu mir, weil einer der Computer wieder Viren hatte (noch haben fast alle welche, aber zwei konnte ich mittlerweile befreien). Ein mir nicht bekanntes und am Tag zuvor definitiv nicht installiertes Programm names Antivirus Pro 2010 meldete knapp 20 verschiedene Viren auf dem Computer, die dringend entfernt werden sollten. Das könne aber nur die Vollversion. Kostenpunkt: 30$. Und das blöde Programm lässt sich nicht entfernen, zumindest nicht mit herkömmlichen Mitteln. Eine kurze Recherche im Internet bestätigte mir dann: Das Programm selber ist ein Fake, das einem zum Kauf einer (nutzlosen) Vollversion bewegen will, in dem es nicht vorhandene Viren erkennt. Mit ein paar Kniffen lässt es sich zum Glück auch entfernen. Bleibt nur die Frage, wer es installiert hat...

Die ganze letzte Woche über war, wie ja bereits kurz berichtet, Kulturkurs in der Mua Mission. Das ist eine 1902 von den sogenannten weissen Vätern gegründete Mission mit einem Krankenhaus, einem Museum, sehr bequemen Schlafmöglichkeiten und einem Zoo, in dem heute nur noch eine Antilope wohnt :-D

Das Museum wurde vom heutigen Leiter der Mission, Father Buche, erbaut, einem Kanadier, der seit 42 Jahren in Malawi wohnt und fast genausolang die Kultur der Chewa, Yao und Ngoni – die drei größten Volksgruppen in Malawi – studiert. Er wurde mittlerweile auch durch eine traditionelle Zeremonie in die Chewa-Gemeinschaft aufgenommen und in einem Dorf sogar zum Berater eins Chiefs gewählt. Die Chiefs haben in den meisten Teilen des Landes immer noch weit mehr Ansehen und Macht als die gewählte Regierung, deren Existenz vielen Menschen nicht einmal bekannt ist.

Der Kulturkurs selber behandelte hauptsächlich Themen wie das Zustandekommen von Dörfern, deren Aufbau und die Hierarchie darin, traditionelle Tänze und die Initiation, das Erwachsenwerden, das mit einer ganz speziellen Zeremonie vollbracht wird. Die meiste Zeit aber haben wir dem Aufbau der Familie gewidmet, wer sich wen aussucht, wo hinzieht und mit wem Kinder bekommt. Im Gebiet der Chewa und in vielen anderen Volksgruppen sind die Familien nämlich matriarchalisch geprägt. Der Mann verlässt sein Dorf und zieht zu seiner Frau. Ihr gehören auch die Kinder und meistens zahlen die Eltern der Frau den Eltern des Mannes Kühe oder Hühner für die Hochzeit. Das Rollenbild ist aber ähnlich wie in den westeuropäischen Klischees: Der Mann ist zuständig fürs Jagen, Hausbauen und für alles mit Struktur. Die Frau kümmert sich um die Kinder, den Haushalt und die Feldarbeit. In der Regenzeit wird hauptsächlich gearbeitet, die Felder bestellt und gegen Ende geerntet. Außerhalb der Regenzeit wird geheiratet und gefeiert :-)

Außerhalb der großen Städte und Zentren, wie Lilongwe, Blantyre, Mzuzu, Zomba, Salima etc., die sich hauptsächlich im Süden des Landes befinden, haben alle diese traditionellen Strukturen, Riten und Bräuche auch noch Bestand.

Nach dem Kulturkurs in Mua sind wir (nahezu alle Freiwilligen aus dem Kulturkurs, 18 an der Zahl) nach Senga Bay gefahren. Wie der Name vermuten lässt, liegt das direkt am Malawi-See und ist eine von vielen wunderschönen Anlaufstellen für einen fast karibikähnlichen Urlaub :-P Wir haben mit Zelt und Schlafsack auf dem Campingplatz einer kleinen Lodge von Freitag bis Sonntag übernachtet, tagsüber gebadet, Volleyballgespielt, gesonnt, unter Palmen gefaulenzt und und und... Außerdem gab es eine voll ausgestattete Bar im Wasser (!), die durch ihr Äußeres zwar ein wenig an Fluch der Karibik erinnerte, im Inneren aber keine Wünsche offen ließ. Und das ganze bei 32 °C. Achja: Die Fahrt dahin dauert übrigens nur vier bis fünf Stunden, kostet kaum fünf Euro und kann jedes Wochenende wiederholt werden :-P Aber ich will ja keine Sehnsüchte wecken…

Die Rückfahrt war für mich leider weniger erfreulich. Mir war ziemlich schlecht, habe mich mehrmals übergeben und am nächsten Tag im Krankenhaus wurde eine Lebensmittelvergiftung diagnostiziert... 13 verschiedene Pillen sollte ich täglich schlucken, hab ich aber mal vorsichtshalber gelassen :-D Man bekommt hier eher ein Medikament zu viel, als eins zu wenig. Und Anti-Malaria-Mittel sind auch immer dabei, weil man die nicht immer ausschließen kann, wenn Prophylaxe genommen wird.

Naja, bin übern Damm und hab gestern kurz und heute wieder richtig gearbeitet. Ja wirklich! Gestern habe ich das blöde Fake-Antiviren-Programm entfernt, von dem ich am Anfang berichtet habe. Leider musste ich heute Morgen feststellen, dass genau dieser Computer jetzt ein anderes Problem hat, er ließ sich sogar gar nicht mehr hochfahren. Die CMOS-Batterie, eine kleine Batterie, die in jedem Computer steckt, musste ausgetauscht werden, weil zu alt. Jetzt finde mal in Malawi eine 3-Volt-Lithium-Knopfzelle. Aber wir hatten echt Glück! Zusammen mit dem neuen Freiwilligen, der seit der letzten Woche hier ist, bin ich nach Limbe gefahren und schon im dritten Laden, der ein wenig nach professionellerem Computerbedarf aussah, wurden wir fündig. Sogar von Sony und original verpackt!

Außerdem ist endlich eine Windows-XP-CD aufgetaucht. Leider ist sie beschädigt und kann nicht zum formatieren und wiederaufsetzen verwendet werden :-( Bringt also nüscht.

Wir haben übrigens die Zeitumstellung nicht mitgemacht. In Malawi gibt es keinen Unterschied zwischen Sommer- und Winterzeit und somit sind wir nun eine Stunde weiter als Deutschland.

© Johannes Schäfer - http://johannes-in-malawi.de

http://johannes-in-malawi.de/2009/10/28/mua-mission-senga-bay-krankenhaus-arbeiten/

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Informationen

Orte Blantyre
Mua Mission
Senga Bay
Veröffentlicht Mittwoch, 28. Oktober 2009 um 15:43 Uhr
Kategorien Büroarbeit, Gedanken, Reiseberichte
Stichworte Computer, Krankenhaus, Kulturkurs, Lebensmittelvergiftung, Mua Mission, See, Viren, Zeitverschiebung
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Drei Kommentare zu diesem Bericht:

  1. jessy
    jessy vor 2 Jahren

    hey du,
    ich will auch nach malawi gehen nach blantyre. Magst du mir vllt sagen wie es dort so war und ob es eher ne stadt ist, weil ich eigentlich lieber in ein afrikanisches dorf will. Ich hätte auch noch ein angebot nach lilongwe zu gehhen. vielen dank
    jessy

  2. Johannes
    Johannes vor 3 Jahren

    Ist ja nicht so, dass ich gaar nicht arbeite :-) Die Computer kommen Mitte November, in drei Wochen fängt das neue Schuljahr an und bald geht's dann auch noch zum Krankenhaus... Vielleicht...

    Mein Kollege kommt sogar mit der deutschen Version von Office 2007 zurecht :-P

  3. Martin
    Martin vor 3 Jahren

    Hello! Wusste nicht, dass deine Organisation Leute fuers Faulenzen einstellt ;) Und vielleicht solltest du naechstes Mal nicht alle Drinks ausprobieren, die sie so anbieten. Warum installierst du eigentlich nicht irgendeine Linux-Distribution (evtl. Ubuntu) auf den Rechnern? Anscheinend sind sie ja sowieso so unerfahren was Computer angeht, dass man ihnen genauso Linux beibringen koennte. Hat (fast) nur Vorteile ;)


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