Dienstag, 13. Oktober 2009 um 9:07 Uhr

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Der Nationalpark-Flop

Der Liwonde Nationalpark ist nur drei Stunden mit dem Minibus von Blantyre entfernt und wird gerne mit Elefanten- und Nilpferdgarantie beworben. Deshalb darf man ohne Auto auch nicht herein. Das war unser Problem. Aber von vorne:

Morgens mit dem Minibus zur Blantyre Bus Station. Dort haben wir erfahren, dass wir in Limbe fragen müssen. Das ist von unserem Haus genauso weit entfernt wie die Busstation – nur in die andere Richtung. Also zurück, auch gleich einen Minibus gefunden, halbe Stunde gewartet, dass er voll wird und losgedüst Richtung Liwonde. Die Heckklappe war nur von außen mit einer Schnur zugehalten, nach jedem größeren Hüpfer haben wir immer nachgeschaut, ob die Klappe und vielmehr unsere Rucksäcke noch da waren. Darin war nämlich unser Zelt, 10 Liter Wasser, Schlafsäcke, Decken, Klamotten etc. untergebracht. Was man halt so braucht für eine Nacht ohne Bett, Strom und Wasser im Nationalpark.

Der Fahrerstil war tatsächlich nicht ganz ohne und wir wägten uns schon in der Silver Star. Die eine oder andere Kurve war recht schnell genommen, die Bodenwellen ohne Stoßdämpfer bei 80 km/h gleich doppelt so schmerzhaft, aber wir waren dafür recht bald am Zielort. Dachten wir zumindest. Denn dort angekommen sehen wir einen Wegweiser: „Liwonde National Park – 62 km“. Nach ein wenig verhandeln fährt uns der Minibus für 2.000 Kwacha (10€) dorthin.

Aber schon nach wenigen Minuten waren wir da?! Ein Witzbold hatte aus 6.2 Kilometern 62 gemacht. Das Fahrradtaxi wäre deutlich billiger gewesen. Wir sind also da, rufen den Verantwortlichen für die Tierzählung auf dem Handy an. „Tut mir Leid, wir haben grade beschlossen aufzuhören. Alle fahren nach Hause.“ Toll. Wir könnten mit dem Minibus reinfahren zur Lodge, dort übernachten und am nächsten Tag wieder rausfahren. Gesehen hätten wir dann nichts, weil wir die Lodge ohne Auto nicht verlassen dürften. Also woanders hin. Der Minibusfahrer nimmt uns schließlich kostenlos wieder mit zurück nach Liwonde (zuerst wollte er 1.000 Kwacha). Auf dem Rückweg fahren wir noch bei seinen Eltern vorbei, die in einem kleinen Dorf am Straßenrand wohnten und auch uns freundlich begrüßten.

Von Liwonde aus sind wir dann zur nochmal drei Stunden entfernten Mua Mission gefahren, dort wohnen Freunde von uns. Völlig verschwitzt kamen wir an, obwohl es angeblich angenehm kühl war („sonst haben wir hier 40°C“). Dank Nacht ohne Moskitonetz zählen wir nun jeder fast zehn Moskitostiche, aber gestern war ja Lariam-Tag :-D

Von Mua aus gings weiter nach Bembeke, wo am Teachers Training Center zwei weitere Freiwillige wohnen. Gefahren sind wir dorthin auf der Ladefläche eines kleinen LKWs. Folgendes Szenario: Der LKW wird zur einen Hälfte mit leeren Cola-Kästen, zur anderen Hälfte mit mehreren 50kg-Säcken voll Mangos, Maniok, Reis oder Zucker beladen. Auf die Cola-Kästen kommen schließlich weitere Säcke, unser Gepäck, wieder Säcke, dann Holz. Alles wird notdürftig verschnürt. Hinterher finden auf der Ladung 30 Fahrgäste (jeweils ein wenig) Platz. Mit dem LKW über den Golomoti-Pass, der Landschaftlich wirklich wunderschön ist, leider aber auch sehr steil mit engen Straßen. Wirklich im Schritttempo und erstem Gang quält sich der LKW über den Kamm, aber nicht einmal abgewürgt (zum Glück, denn der Anlasser war kaputt). Das ganze kostet 2,50€ für 80km Strecke. Und einen fetten Sonnenbrand :-D

Von Bembeke ging’s nochmal 20 Minuten mit dem Fahrradtaxi zum TTC und ein paar Stunden später wieder zurück, um mit dem Minibus von Bembeke nach Blantyre zu fahren. Bembeke liegt an der Hauptverkehrsstraße in Malawi schlechthin, der M1. Hier bekommt man eigentlich immer einen Bus in alle Richtungen, egal welcher Kategorie. Wie gesagt, eigentlich. Nicht so, wenn wir ab 16 Uhr dort stehen und verzweifelt auf eine Fahrgelegenheit nach Hause warten. Kein Minibus, der bis Blantyre fuhr, kein großer Bus, der halten wollte. Sogar die Polizei wollte uns mitnehmen, aber eben nicht nach Blantyre. Zwei Stunden mussten wir warten und wir wollten gerade umdrehen und zurück zum TTC laufen (es wurde gerade dunkel), um unser Glück morgen nochmal zu versuchen, als ein super freundliches malawisches Ehepaar mit zwei nagelneuen Toyotas hielt, um uns nach Blantyre mitzunehmen. Was für ein Glück!

Heute müssen wir wieder arbeiten.

© Johannes Schäfer - http://johannes-in-malawi.de

http://johannes-in-malawi.de/2009/10/13/der-nationalpark-flop/

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Informationen

Orte Bembeke
Liwonde
Mua Mission
Veröffentlicht Dienstag, 13. Oktober 2009 um 9:07 Uhr
Kategorien Reiseberichte
Stichworte Freiwillige, Minibus, Mua Mission, Nationalpark
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