Donnerstag, 10. September 2009 um 22:02 Uhr

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Die ominöse Frucht und das Paket aus Deutschland

Im Chichewa-Unterricht heute Morgen kam das Kapitel kaufen und verkaufen auf dem Markt dran. Jetzt können wir uns über zu hohe Preise beschweren, und darüber, dass „mtengo wa mzungu“ (Extrahohe Preise für Weiße) berechnet werden. Der Verkäufer kann dann selbst ein Lachen nicht verkneifen und geht mit dem Preis wieder runter. Haben wir auf dem Markt erfolgreich angewandt, als wir zu dritt Zutaten für ein leckeres Chili-con-carne gekauft haben. 20 Tomaten, fünf Zwiebeln, eine Knoblauchzehe, ein Kilogramm Kidneybohnen, vier Paprika und zwei Hände voll grüner Chilischoten für 800 Kwacha (also vier Euro). Wahrscheinlich wurden wir trotzdem noch übers Ohr gehauen…

Dazu dann aber Fleisch, das hier vergleichsweise sehr teuer ist (zwei kg Hackfleisch für umgerechnet 10 Euro) und Reis aus dem Supermarkt (ein Euro pro Kilo). Auf dem Markt wäre er weitaus billiger gewesen, allerdings haben wir da nicht drangedacht. Drauf kommen noch zwei Minibusfahrten für drei Personen zum Markt, wie immer ein großes Abenteuer :-D Die Klappe hinten war nur mit Seilen zugehalten, die lose Rückbank schlug immer dagegen. Besonders beim Gasgeben also ein ständiges Bangen.

Außerdem konnten wir das Geheimnis um die ominöse Frucht von gestern lüften: Es handelt sich um eine Malambe (so zumindest der Chichewa-Name). Die Marshmellow-großen, weißen Würfel in der Mitte werden gekocht, der Sud gesiebt und man erhält einen Saft, der wie die gelutschen Würfel selbst schmeckt. Noch warm wird er mit Milch, Vanille und Zucker versetzt und man erhält einen köstlichen Saft, der auch hier verkauft wird. Haben wir dann gleich mal mit zwei weiteren Früchten ausprobiert, jede liefert etwa einen halben Liter und kostet alleine umgerechnet 25 Cent (wobei man vermutlich eigentlich nur 10 Cent bezahlt, wenn man nicht übers Ohr gehauen wird).

Ein Freiwilliger hat aus den Kernen, die nach dem Auskochen der Würfel zurückbleiben, und der leeren, steinharten Schale der Frucht eine Rassel gebastelt. Hohe Wertschöpfungskette :-)

Heute hab es einen „blackout“, einen Stromausfall für mehrere Stunden. Bisher der erste, aber bestimmt nicht der letzte. Montag und Dienstag gab es jeweils von morgens bis spätabends kein Wasser, da in der Nähe ein Rohr gebrochen war.

Außerdem konnte ich heute mein Paket aus Deutschland bei einer Art Postfiliale abholen. Das Paket ist laut Zustellschein schon seit dem dritten September hier in Malawi, der Schein wurde nur fast eine Woche später erst überbracht… Am Schalter kam dann die ganze malawische Bürokratie zum Tragen. Zusammen mit der für uns Freiwillige zuständigen Mitarbeiterin der Entsendeorganisation hier vor Ort haben wir uns zum richtigen Schalter durchgefragt. Es gibt nämlich zwei, die weit auseinanderliegen und nach keinem erkennbaren System die abzuholenden Pakete unter sich aufgeteilt haben. Dort angekommen und die üblichen Begrüßungsfloskeln ausgetauscht wurde das Paket gesucht. Nach knapp zehn Minuten konnte ich es immerhin schon mal durch eine Glasscheibe sehen, musste aber noch Angaben zum Inhalt machen (die ziemlich detailliert bereits auf einer beiliegenden Liste vermerkt waren) und der sehr freundliche Beamte tippte einige Zahlen in den Taschenrechner. Ich vermute, dass er überlegte, ob ich Zollgebühren zahlen musste, war aber damit zufrieden, dass ich als Freiwilliger nach Malawi gekommen bin und mehr als 20kg Gepäck mitnehmen wollte. Noch einmal an einem Schalter nebenan den Zollschein unterschreiben lassen, meine Identität bestätigen und wieder zurück zum anderen Schalter das Paket abholen. Gesamtzeit: 20 Minuten um ein Paket abzuholen. Das ganze hätten wir uns wahrscheinlich sparen können, wenn ich gar nicht dabei gewesen wäre. Dann wäre das Paket nämlich einfach an die Mitarbeiterin der Entsendeorganisation abgegeben worden, ohne dass der eigentliche Empfänger interessiert hätte.

© Johannes Schäfer - http://johannes-in-malawi.de

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Orte Lilongwe
Veröffentlicht Donnerstag, 10. September 2009 um 22:02 Uhr
Kategorien Nicht kategorisiert
Stichworte Bürokratie, Chichewa, Malambe, Minibus, Paket, Stromausfall, Wasserausfall
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